Einfach anfangen: 7 wirkungsvolle Strategien, mit denen du ins Schreiben deiner Doktorarbeit kommst

Hey, du – sitzt du gerade vor deinem Laptop oder Notizheft und nichts landet auf dem (digitalen) Papier? Verzage nicht  – ich habe ein paar Vorschläge für dich, mit denen du deinen Schreibfluss aktivierst und dich motivierst.

Eine Info vorweg: Dieser Artikel enthält einen Affiliate-Link zu einem Buch bei Amazon, das ich empfehle (und ich empfehle nur Bücher, die ich selbst richtig gut finde!!) – falls es etwas für dich ist und nur wenn du sowieso da einkaufst, unterstützt du meine Arbeit ohne Mehraufwand für dich. Ansonsten bestell‘ das Buch bei Interesse einfach in deiner Buchhandlung vor Ort :)

Los geht’s!

Schaffe dir dein Setting fürs Schreiben

Manche Menschen, vor allem die Kreativen unter uns, können im Chaos besonders gut arbeiten. Gehörst du zu dieser Sorte? Aber wenn es mit dem Schreiben nicht klappt, hilft es auch chaotisch Veranlagten oft, den Arbeitsplatz aufzuräumen. Die geordnete Fläche sortiert auch deine Gedanken. Vielleicht kommen dir sogar Ideen, während du die Gläser der vergangenen Tage endlich in die Küche bringst, durchlüftest oder deine Notizen einheftest.

Diese Veränderung hat nichts gebracht? Dann mach es dir schön – mit Kerzen, einer Pflanze, einer neuen Schreibtischunterlage, einer motivierenden Postkarte oder etwas anderem, das dich inspiriert. Wichtig ist, dass du dich an deinem Schreibort wohlfühlst!

Wenn du kannst, wechsle auch ab und zu den Arbeitsplatz (sobald das wieder möglich ist) – unser Gehirn liebt Abwechslung!

Es klingt vielleicht trivial – aber hast du einen guten Schreibtischstuhl? Ich habe mir selbst nach langer Zeit erst letztes Jahr wieder einen gekauft und seitdem sitze ich wieder richtig gerne am Schreibtisch. Vielleicht kannst du es dir auch einrichten, immer mal wieder im Stehen zu arbeiten, z. B. mit einem Aufsatz für deinen Tisch?

Wunderwaffe gegen Schreibblockaden: Der Brief an deine Promotion

Genauso wichtig wie das Setting im Außen ist dein Mindset und dein „Heartset“. Wie geht es dir aktuell in Bezug auf die Promotion? Das findest du am schnellsten heraus, wenn du ihr einen Brief schreibst und dir damit auch alles von der Seele schreibst, was auf dir lastet. Du wirst sehen: Im Schreibprozess wirst du dich selbst mit so einigem überraschen, was da kommt!

Wenn du das noch nie gemacht hast, mag es im ersten Moment etwas albern klingen – aber diese Methode ist eine echte Wunderwaffe gegen Schreibblockaden. Lass deine Promotion wissen, in welcher Hinsicht sie dir gerade Schwierigkeiten bereitet – und sag ihr auch, warum sie dir wichtig ist! Schnapp dir Zettel und Stift und beginne jetzt den Brief an deine Doktorarbeit: „Liebe Dissertation/Diss/Promotion/Doktorarbeit (wähle hier den Begriff, den du in deinen Gedanken am meisten verwendest), …“

Und wer weiß? Vielleicht hast du nach diesem Brief auch den Impuls, den Brief zu schreiben, mit dem deine Dissertation dir antworten würde, wenn sie das könnte. Denn sie hat dir vermutlich auch einiges zu sagen, oder was meinst du?!

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Nimm dir realistische Zeiträume fürs Arbeiten an der Dissertation vor

Setzt du dir gerne ambitionierte Ziele? Dann machst du dir wahrscheinlich selbst so viel Druck, dass du gar nicht erst beginnst. Das kenne ich aus meiner eigenen Promotionszeit – aber sowas von. Mein Tipp ist hier, dass du dir erstmal nur kurze Arbeitszeiträume vornimmst!

Kurzer Schwank aus meiner Promotionszeit: Ich hatte ein Stipendium und hatte daher während meiner Promotion fast immer volle Tage nur fürs Schreiben zur Verfügung. Problem war, dass ich immer dachte, ich müsse den ganzen Tag – also acht Stunden lang – schreiben. Völlig unrealistisch! Kein Mensch kann so lange produktiv sein und konzentriert arbeiten. Durch diesen Druck, den ich mir selbst gemacht habe, und sehr hohe Erwartungen an mich selbst fing ich viele Wochen lang (!) erst gar nicht an. Stattdessen wurde die Prokrastination meine beste Freundin und ich verschob den Schreibbeginn eines neuen Kapitels immer auf den nächsten Tag. Du kannst dir vorstellen, wie zermürbend das war.

Das kommt dir bekannt vor und du willst jetzt wissen, wie ich aus diesem Teufelskreis rausgekommen bin?

Neben der intensiven Arbeit an meinem Mindset (Stichwort: Perfektionismus…)  habe ich angefangen, mit einer festen, realistischen Tagesstruktur und der Pomodoro-Technik zu arbeiten. Das heißt, ich schrieb immer 25 Minuten am Stück und baute zwischen den Einheiten Pausen ein. DAS schien mir machbar und realistisch! Ich hangelte mich zunächst von Pause zu Pause und erlaubte mir auch, dann aufzuhören, wenn es wirklich gar nicht ging – aber nach dem ersten Intervall war ich immer drin und arbeitete produktiv weiter. Faszinierend, was so eine Struktur bewirken kann, oder?

Übrigens: Wenn du im Schreibflow nicht gestört werden willst vom Klingeln des Weckers, stell dir statt Pomodoro-Tracker mit Signal einfach die Stoppuhr (Tipp von Alex, einem Doktoranden aus einem meiner Workshops). So behältst du auch den Überblick darüber, wie lange du arbeitest, und weißt, wann eine Pause sinnvoll ist.

Sprich über dein Thema, bevor du schreibst

Einer meiner Coachees hat mir letztens berichtet, dass er super ins Schreiben kommt, wenn er vorher mit einer anderen Doktorandin (nicht vom Fach!) darüber spricht. Kein Wunder: Denn während manche Menschen am besten beim Schreiben ihre Gedanken entwickeln, denken andere am besten beim Sprechen und/oder im Austausch. Schon Aristoteles wusste das und ging mit seinen Studierenden spazieren.

Wie wäre es also, wenn du dir eine:n andere:n Doktorand:in suchst, mit der:dem du dich regelmäßig zu einem aristotelisch-anregenden Spaziergang bzw. Zoom-Call verabredest? Probier es mal aus!

Die Technik kannst du auch jetzt sofort umsetzen, wenn du gerade keinen anderen Menschen dafür findest: Nimm einfach ein Audio oder Video auf, in dem du deine Ideen in Worte fasst. Danach kannst du dir Notizen machen und herausfiltern, was du für deine Dissertation verschriftlichen willst.

In meiner Online-Coworking-Community für Promovierende kannst du übrigens auch Austausch-Partner:innen finden!

Bye, Prokrastination: Löse dich von störenden Gedanken

Deine eigenen Gedanken halten dich vom Schreiben ab? Dann werde sie los! Das klappt ironischerweise am besten, wenn du sie aufschreibst. Würdige sie, erkenne sie an – und danach streichst du sie durch, legst sie zur Seite oder steckst sie in einen Aktenvernichter. Wenn du diese Störenfriede aufs Papier gebannt hast, sagst du dir: „Ich mach das jetzt trotzdem!“ und legst los.

Bei mir war diese Strategie total effektiv, als ich meinen ersten Workshop für Promovierende vorbereitete. Eine innere Stimme versuchte damals, mir einzuflüstern, ich hätte noch nicht genug Wissen zum Thema. Dabei hatte ich bestimmt zehn Ratgeber zum Thema „Zeitmanagement“ durchgearbeitet und nichts Neues mehr gefunden. Ich war also mehr als genug vorbereitet – saß aber vor dem weißen Bildschirm, als ich das Konzept machen wollte. Erst als ich durch diese Schreibaufgabe die störenden Gedanken und ihren Sinn identifiziert hatte, konnte ich loslegen.

Wichtig ist es an dieser Stelle, die störenden Gedanken nicht einfach „wegmachen“ zu wollen – denn sie haben oft eine wichtige Botschaft und einen guten Kern.

Meine störenden Gedanken z. B. wollten mich vor Kritik und letztlich einem „Scheitern“ bewahren. Sie haben mich also auf ein Gefühl aufmerksam gemacht (Angst), das ich hatte. Erst nachdem ich das gefühlt und den guten Kern der störenden Gedanken angenommen hatte, konnte ich wieder in die Ratio gehen und sehen: Das war eine kindliche Angst und mein kindlicher Anspruch, perfekt zu sein – als erwachsene Frau war ich dagegen 1. sehr gut in der Lage, einzuschätzen, wann ich genug gelesen habe und wie ich einen guten Workshop vorbereite – und 2. hätte ich es gut als Lernerfahrung verbuchen können, selbst wenn etwas schiefgegangen wäre.

Also: Sei neugierig, was dir deine störenden Gedanken zu erzählen haben – aber glaub‘ ihnen nicht alles 😉

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Erlaube dir, unperfekt zu sein

Viele Doktorand:innen fangen nicht an, zu schreiben, weil sie sofort das goldene Elixier finden wollen. Beziehungsweise die perfekte Formulierung. Newsflash: Höchstwahrscheinlich wirst du das nicht auf Anhieb schaffen! Erlaube dir, einen ersten, unperfekten Entwurf zu schreiben, der noch nichts mit der Endfassung zu tun haben muss. Halte einfach alles fest, was wichtig sein könnte! So geht dir das Schreiben gleich viel leichter von der Hand und du musst vorher nicht zu lange nachdenken (und alles zerdenken).

Im anglo-amerikanischen Raum heißt dieser erste Entwurf „Draft 0“. Diese Methode hilft insbesondere Perfektionist:innen, denn er hat gar nicht den Anspruch, auch nur nah an der Endfassung zu sein. Er darf immer weiter verbessert werden, während du an deiner Doktorarbeit schreibst: Draft 1, Draft 2, Draft 3, Draft 4 …

Mein Buchtipp dazu ist „Writing Your Dissertation in Fifteen Minutes A Day“ von Joan Bolker. Das wurde mir zu Beginn meiner Promotion empfohlen – und ich habe es damals nicht gelesen…was ich heute bereue! Denn die Autorin stellt darin nicht nur das Konzept der unterschiedlichen Versionen vor, sondern plädiert auch – wie der Titel verrät – für die Methode der kleinen Schritte und machbaren Ziele. Spoiler: Fünfzehn Minuten am Tag reichen natürlich nicht – aber, wie ich oben beschrieben habe, ist es sehr wahrscheinlich, dass man nach der ersten Viertelstunde den Einstieg geschafft hat und einfach weitermacht.

Notfall-Strategie: Gib dir frei!

Und wenn’s gar nicht klappt … Dann klappt es heute eben nicht! Morgen ist auch noch ein Tag. Sei nicht zu streng mit dir. Wir alle haben mal mehr und mal weniger Energie. Du musst dich nicht zum Schreiben zwingen, wenn dir dein Körper und Geist signalisieren, dass du dringend einen freien Tag brauchst. Mach das, was dir guttut – oft wirkt das Wunder. Nach der dringend benötigten Auszeit kommen dir neue Ideen für deine Dissertation und das Schreiben macht wieder Spaß!

Ich hatte übrigens meine allerbeste Arbeitsphase während der Promotion nach einer fünfwöchigen, kompletten Auszeit! Meine Batterien waren nach einem anstrengenden Forschungsaufenthalt in London, während dem ich sehr mit meinem Perfektionismus gekämpft hatte, komplett leer. Ich hatte zum Glück direkt nach dem Forschungaufenthalt eine Reise in die USA geplant – und in der vierten Woche meines Roadtrips von Denver nach L.A. kam die Lust aufs Arbeiten wieder! Ich konnte es am Ende tatsächlich kaum erwarten, endlich wieder an meiner Diss zu sitzen. Ich war nach dem Urlaub nicht nur voll erholt, sondern es hatte sich ganz nebenbei auch viel sortiert in meinem Kopf, so dass ich vieles im Anschluss einfach herunterschreiben konnte.

Was machst du, wenn du so gar nicht ins Schreiben kommst? Zeig mir deine Tipps in den Kommentaren und lass mich wissen, wie es mit meinen Strategien für dich läuft!

In der Grafik siehst du alle 7 Strategien nochmal auf einen Blick.

Wenn all das nichts hilft, könnte vielleicht mein „Find Your Flow“-Coaching (Infos dazu findest du auf der Seite unten bei Pakete) etwas für dich sein, wo wir gemeinsam die Ursache deiner Schreibblockade finden und eine individuelle Strategie für dich aufstellen. Und in der Online-Coworking-Community für Doktorandinnen und Doktoranden kannst du regelmäßig mit anderen in Fokus-Sessions nach dem Pomdoro-Prinzip virtuell coworken. Der Austausch untereinander motiviert und hilft dabei, ins Schreiben zu kommen.

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